Faial

03.05.2018

Noch im Dunkeln verlassen wir die Quinta de Santana den unser Flug vom Aeroporto de Ponta Delgada zur Insel Faial ist schon um 7:30 Uhr. Noch kurz den Mietwagen abgeben und schon geht es los. Auf der Insel Terceira macht die zweimotorige Turboprop Maschine vom Typ Bombardier DHC-8-402 Q400 (für die technisch interessierten unter Euch ;-) einen kurzen Zwischenstopp. Wir bleiben sitzen. Nach einem kurzen Weiterflug erreichen wir den Aeroporto da Horta auf der Insel Faial um 9:15 Uhr.

Beim Mietwagenanbieter ILHA VERDE übernehmen wir einen Renault Clio. Er ist o.k., aber kein Vergleich zum besseren Ford Fiesta von der ersten Insel.    

Unser Quartier für die nächsten 4 Tage ist die PÁTIO Horse & Lodge im Ort Cedros im Norden der Insel. Die Eigentümer der kleinen Lodge sind die Deutschen Anja und Victor Hucke. Wir werden herzlich begrüßt.  

Die Inselhauptstadt Horta ist liegt im Süd-Osten der Insel. Der Flughafen ist nur 8 km entfernt. Die Stadt hat internationales Flair, das merken wir sofort. Das hat viele Gründe. Erst kamen im 18. u. 19. Jh. nordamerikanische Walfänger und legten hier einen Flottenstützpunkt an. Zu Beginn des 20. Jh. wurde Horta die Hauptstadt der Übersee-Telegrafie und ein Zwischenstopp für die Flugboote der ersten Transatlantik-Flugrouten.

Heute ist Horta der bedeutenste Anlaufpunkt der Transatlantiksegler, die sich hier von der ersten Passage erholen und um die Boote zu reparieren sowie Proviant zu bunkern.

Der Naturhafen Porto Pim war der Stützpunkt der Walfängerflotte. In der Walfangfabrik wurden zwischen 1943 und 1974 rund 2000 Pottwale verarbeitet. Die Fabrik ist heute ein Industriemuseum mit angeschlossenem Meeresforschungsinstitut genannt OMA (Observatório do Mar dos Açores).

Natürlich, wie kann es anders sein, wird das Walfangmuseum gerade überarbeitet und ist für Besucher gesperrt.

Unweit der Walfangfabrik, gegenüber des Parkplatzes, sehen wir drei unscheinbare, weiße Baracken ohne erkennbare Bedeutung. Auf einem kleinen Hinweisschild finden wir die Erklärung ... 

Der Naturhafen Porto Pim in Horta.
Der Naturhafen Porto Pim in Horta.

… in den Bunkern trafen ab den 20'er Jahren des letzten Jahrhunderts die Übersee-Kabel der internationalen Telegraphengesellschaften von Europa und Amerika kommend zusammen. Eine davon war die Deutsch-Atlantische-Telegraphengesellschaft (DAT) die Seekabel von der Nordseeinsel Borkum nach Horta und weiter nach New York unterhielt. 


Weitere Unternehmen waren u.a. die US-amerikanische Commercial Cabel Company (CCC), die britische Europe & Azores Telegraph Company (EAT) und die Western Union Telegraph Company (WU). Mehrere hundert Kabeltechniker und Ingenieure mit Ihren Familien lebten zeitweise auf der Insel. Viele Büro- u. Wohngebäude wurden errichtet und die Ausländer trafen sich bei Konzerten, Ausstellungen und Sportveranstaltungen. Es war viel los auf Faial. Bis 1969, als die letzte Gesellschaft Cabel & Wireless aus Großbritannien die Insel verließ. Die DAT musste Horta schon 1943 verlassen.

Die berühmteste (Segler-) Kneipe im Atlantik ist Peter Café Sport. Die Hafenpinte des Wirts José Azevedo (leider schon verstorben) ist nicht nur eine Kneipe. Nein, hier treffen sich Segler, Fischer, Einheimische und Urlauber aus der ganzen Welt zwanglos auf einen Drink (der Gin-Tonic ist legendär und schmeckt wirklich gut) oder zum Essen.

 

Übrigens: der Wirt José hat seinen Spitznamen "Peter" im zweiten Weltkrieg von einem britischen Kapitän erhalten, der den richtigen Namen wohl nicht aussprechen konnte.

Über der Kneipe befindet sich ein Museum für Walgravuren (Scrimshaw Museum).


Jeder Segler der im Hafen von Horta fest macht, pinselt auf die Kaimauer sein eigenes Wandgemälde. Wer es nicht macht, schwört auf See ein Unglück herauf. Damit das nicht passiert, wird seit den 50'er Jahren kräftig gemalert.


04.05.2018

Morgenstimmung über der Lodge.
Morgenstimmung über der Lodge.

Im Inselinneren erwartet uns heute die fast kreisrunde Caldeira mit einem Durchmesser von 2 km. Ein Rundweg von 8 km Länge führt immer oben am Kraterrand in ca. 1000 m Höhe entlang. Als wir um 10 Uhr am Parkplatz ankommen, sind wir die ersten Wanderer. Noch zieht dichter Nebel über die Landschaft. Wir hoffen das es besser wird.

Vom Parkplatz gehen wir durch einen Tunnel zum spektakulären Aussichtspunkt. Rund 400 m tief geht es fast senkrecht hinunter in die Caldera. Wir starten die Rundwanderung und laufen im Uhrzeigersinn um den 1000 Jahre alten Krater.

Für die Umrundung der Caldeira haben wir etwas mehr als drei Stunden benötigt. Dabei viele Fotostopps und Pausen eingelegt. Eine tolle Wanderung.

Wir fahren in die Westspitze von Faial. Vorbei am kleinen Leuchtturm von Capelo erreichen wir den Vulcão dos Capelinhos  -  der jüngste Vulkan der Azoren. Er entstand in den Jahren 1957 und 1958. Bei dem gewaltigen Ausbruch wurden 500 Häuser zerstört, Felder und Weiden mit Asche verschüttet und die Bewohner von Faial in Angst und Schrecken versetzt. 1998 gab es auf den Azoren das letzte Erdbeben, das auf Faial die Stärke von 5,6 auf der Richterskala erreichte. 


Das moderne, unterirdische Besucherzentrum Centro de Interpretação do Vulcão dos Capelinhos ist riesig und auf jeden Fall seinen Eintrittspreis von 6 Euro wert. Aus dem verborgenen Ausstellungsgebäude geht eine steile Wendeltreppe im Leuchtturm Farol dos Capelinhos nach oben auf die kleine Plattform in Höhe des ehem. Leuchtfeuers. Der Turm ist seit dem Ausbruch 1958 nicht mehr im Betrieb. Der Aufstieg kostet nochmal 1 Euro zusätzlich.


05.05.2018

Wir fahren von Cedros gegen den Uhrzeigersinn entlang der West- u. Südküste und kommen zum Morro de Castelo Branco. Der knapp 150 m hohe Felsklotz ist der Rest eines Vulkans. Das Meer kann dem sehr harten Trachytgestein nichts anhaben. Eine sehr imposante Erscheinung in der Südwest-Spitze der Insel. 

Am Nachmittag sind wir wieder in Horta. Hier einige Impressionen aus der Inselhauptstadt und der Umgebung.


06.05.2018

Die Azoren sind ideal geeignet um bei Walbeobachtungstouren den Meeressäugern ganz nahe zu kommen. Besonders vor der Küste von Pico tummeln sich sehr viele Wale und Delfine, aber auch Meeresschildkröten und Seevögel können beobachtet werden. In den ehemaligen Walfängerausgucken auf Pico sitzen heute wieder Beobachter, die die Whalwatching-Boote zu den Meeressäugern dirigieren.  

Die Nordküste bei Cedros.
Die Nordküste bei Cedros.

Anja aus der Lodge hat uns für heute Nachmittag eine Walbeobachtungstour ab Horta vermittelt. Um 14 Uhr wollen wir mit dem Anbieter Naturalist, Science and Tourism eine mehrstündige Schlauchboot-Tour machen.

Naturalist ist ein STARTUP-Unternehmen der Universität von Lissabon (MARE STARTUP), mit dem Hauptziel, den Naturtourismus mit wissenschaftlichen Basisaktivitäten (Monitoring und Forschung) in Einklang zu bringen.

Den Vormittag nutzen wir noch zum Relaxen (muss ja auch mal sein) an der Nordküste bei Cedros. 

Nach einer kurzen Einführung starten wir im Hafen von Horta. Wasserfeste Jacken und Schwimmwesten werden gestellt.

Unsere Tourguides sind Cosé Nuno und Gisela. Nach ca. 1 Stunde Fahrt über die offene See haben wir das Beobachtungsgebiet südlich der Insel Pico erreicht. Wir haben Glück - die ersten Wale sind schon zu sehen …  

… und auch Delfine kommen ganz dicht an das Schlauchboot. Es ist gar nicht so leicht mit dem Teleobjektiv ein paar brauchbare Fotos zu schießen. Immer wieder wird Cosé Nuno von den Whale-Spottern an Land zu anderen Stellen auf dem Meer dirigiert und das Boot schießt dann rasant durch die Wellen um dann wieder an Ort und Stelle zu verharren.

Ein Boot eines anderen Veranstalters ist nun auch in unserer Nähe. 

Wow! Das war imposant. Aber wie immer kommt das Beste zum Schluss. Gisela entdeckt eine schlafende Meeres-schildkröte. Cosé steuert das Boot ganz dicht heran, so das wir das Tier ganz aus der Nähe betrachten können.

 


Die Guides erklären uns, dass die Meeresschildkröten aus Florida kommen und dorthin wieder zurück schwimmen. Ein unbeschreiblich schöner Augenblick!

Um 18:30 Uhr sind wir wieder zurück in Horta und lassen den Abend mit einem schönen Essen ausklingen.