Winter im Norden von Norwegen

6. März - unterwegs nach Kirkenes mit der MS Nordlys

8:20 Uhr: Wow! Der erste Blick aus unserem Kabinen-fenster.  Wir sind nordwärts gehend unterwegs im Nordpolarmeer. Und gleich wartet ein fantastisches Frühstücksbuffet aus der „Norway’s Coastal Kitchen“ auf uns. Morgen, zur gleichen Zeit, soll die Nordlys schon in Kirkenes anlegen und gegen 13 Uhr zur Südroute aufbrechen.

Hurtigruten (norwegisch für „die schnelle Route“) ist die traditionelle Postschiff‑Linie entlang der norwegischen Küste, die seit 1893 existiert.


Heute ist Hurtigruten AS eine Mischung aus Liniendienst für Passagiere und Fracht sowie Touristischer Kreuzfahrt mit spektakulären Naturerlebnissen. Die Küstenkreuzfahrten und die dazugehörigen touristischen Zusatzleistungen (Landausflüge und Restaurantbetrieb) sind die Haupteinnahmequelle der Hurtigruten AS. 

Im Jahr 2025 wurde die Expeditionssparte "Hurtigruten Expeditions" ausgegliedert und hat mit der klassischen Postschiffroute nichts mehr zu tun. Sie trägt den Namen Hurtigruten HX.

Auf allen Postschiffen ist ein Expeditionsteam (nun umbenannt in "Coastal Experience Team") dabei.

Um 11 Uhr machen wir in Honningsvåg fest. Die Stadt liegt im Südosten der Insel Magerøya, also genau dort, wo die meisten Nordkap-Reisenden ankommen. 

Schon während der Reiseplanung zu Hause haben wir uns entschieden, die geführte Tor von Hurtigruten zum Nordkap zu buchen. Die Entscheidung war goldrichtig, denn die Buskapazitäten waren an unserem Anreisetag für die MS Nordlys schon ausgebucht.

Magerøya ist karg, windgepeitscht und hat diese typische, fast mondartige Arktis-Ästhetik. Der Bus bringt uns hinauf zum Nordkap und 1 Stunde später sind wir da. Was für ein Erlebnis. 


Um 16 Uhr setzt die Nordlys ihre Reise fort.

Der Vollmond hängt tief über dem Nordmeer, groß und fast unwirklich hell, so dass die ganze Landschaft in ein silbriges, fast metallisches Licht getaucht wird, als wir um 17 Uhr in Kjøllefjord für einen kurzen Moment festmachen. Die Häuser stehen wie bunte, gedämpfte Farbtupfer in der monochromen Winterlandschaft. Aus manchen Fenstern fällt warmes Licht — gelb, weich, fast wie ein Gegenpol zur arktischen Klarheit draußen.


Nachdem wir Kjøllefjord verlassen haben, wird die See zunehmend rauer. Bei der Einfahrt in die Barentssee haben die Wellen bei stürmischer See schon eine Höhe von 5 Metern erreicht. Für unser Schiff, die MS Nordlys, mit einer Länge von 121,8 m (gebaut 1994 auf der Volkswerft Stralsund) ist das natürlich kein Problem. Aber leider für die Passagiere ;-)

Als wir um 19 Uhr im Restaurant Torget wieder eine super köstliche Mahlzeit zu uns nehmen ertönt über die Bordlautsprecher die Polarlicht-Durchsage. Nun heißt es: schnell aufessen (der Appetit ist uns durch das Schiffsschaukeln sowieso etwas vergangen), zurück zur Kabine, rein in die warme Kleidung und raus auf Deck. 

Draußen bläst ein eisiger Wind und das Schiff pflügt durch die 5 m hohen Wellen in die Nacht. Brauchbare Fotos mit rund 5 Sekunden Langzeitbelichtung und Stativ sind unter diesen Bedingungen nahezu unmöglich. Trotzdem geben wir unser Bestes. Aber seht selbst:

Schon um 20:30 Uhr ist das Schauspiel vorbei.

7. März - kurz vorm Wendepunkt: Kirkenes voraus

Um 00:30 Uhr machen wir einen kurzen Halt in Båtsfjord. Ich zwänge mich noch einmal in die Winterkleidung und gehe hinaus auf Deck. Doch von Polarlichtern fehlt jede Spur. 

Die Ankunft in diesen kleinen Orten im Nordpolarmeer mit einem HurtigrutenSchiff gehört zu den Momenten, die sich tief einprägen, obwohl sie leise und unspektakulär wirken. Genau diese Mischung macht sie so stark. Båtsfjord ist kein Ort, der sich aufdrängt. Er taucht nicht plötzlich auf — er schält sich aus der Dunkelheit. Zuerst sieht man ein paar verstreute Lichter am Hang. Dann die Hafenanlagen, hell erleuchtet, weil hier rund um die Uhr gearbeitet wird. Eine "Insel" aus Wärme und Aktivität mitten in der arktischen Stille.

Ich lege mich wieder schlafen. Doch um 6:30 Uhr werden wir durch Lärm, der durch unser Kabinenfenster dringt, geweckt. Wir sind in Vadsø und es ist schon hell .


Als unser Schiff um 9:30 Uhr in Kirkenes festmacht, haben wir den Wendepunkt der klassischen Hurtigruten-Reise erreicht. Kirkenes ist einer dieser Orte, die man nicht einfach besucht, sondern erlebt. Und gerade weil wir die nordnorwegischen Randzonen so intensiv wahrnehmen, wird uns Kirkenes mit seiner Mischung aus Arktis, Geschichte und geopolitischer Spannung besonders nahegehen.

Wir gehen zu Fuß in das nahe Stadtzentrum. Das Thermometer zeigt -20° Grad aber diese extreme Kälte fühlt sich durch ihre Trockenheit nicht unangenehm an.