Um 13 Uhr sticht die MS Nordlys südwärts gehend wieder in See. Die Ausfahrt aus dem Hafen von Kirkenes ist fantastisch. Langsam schiebt sich das Schiff durch das dünne Eis, Nebel steigt aus dem Wasser empor und wir genießen die Aussicht aus der kuscheligen Panoramalounge hinaus auf die arktische See.
Gegen 16 Uhr erleben wir einen weiteren Höhepunkt: wir passieren Norwegens östlichsten Punkt (Fastlands-Norge med øyers østligste punkt) kurz vor Vardø.
Norwegens östlichster Punkt: das Hornøya fyr (Hornøya Lighthouse) kurz vor Vardø
Kurz nach Sonnenuntergang, genau in der blauen Stunde, erreichen wir gegen 16:30 Uhr Vardø. Für atmosphärische Fotos ist das ein Geschenk. Ein tiefblauer Himmel, der langsam ins Dunkel kippt, mit einem Hauch von Restlicht über der Barentssee. Die Kombination aus Schiffslampen, Hafenlicht, Vollmond und der letzten Dämmerung macht die Szene fast filmisch. Der Aufenthalt ist kurz (ca. 30 bis 45 Minuten), aber intensiv.
Das Essen im Restaurant Torget (wir haben Halbpension gebucht) ist jeden Abend (und morgens) ein Traum. Hier einmal für Euch ein kleine Bildergalerie unseres heutigen Dinners:
Am späten Vormittag passieren wir die Erdgasverflüssigungsanlage auf Melkøya. Durch das Hurtigruten Expeditionsteam erfahren wir bei Schneetreiben an Deck viel über die Anlage: Hammerfest LNG ist eine Onshore‑Verflüssigungsanlage, die das Erdgas aus dem Snøhvit‑Feld verarbeitet und zu LNG (Liquefied Natural Gas) herunterkühlt. Hammerfest LNG ist Europas größte LNG‑Exportanlage. Das Gas kommt über eine 143 km lange Pipeline vom Snøhvit‑Feld auf Melkøya an. Nach der Verflüssigung (vorab wird CO2 abgetrennt) wird das verbleibende Gas zu LNG, LPG und Kondensaten verarbeitet und per Schiff exportiert. Die Insel Melkøya ist über einen Tunnel mit Hammerfest verbunden.
Hammerfest und die Meridiansäule: zwischen 1816 und 1855 führte der Astronom Friedrich Georg Wilhelm von Struve eine gigantische Vermessung durch. Ziel war es, die genaue Form und Größe der Erde zu bestimmen. Über ein Triangulationsverfahren von 265 Mess-punkten von Hammerfest bis zum Schwarzen Meer und eine Länge von 2.820 km wurde die Messkette gebildet. Das Monument selbst wurde 1854 errichtet und besteht aus einem Granitfundament, einer Bronzepfeiler‑Säule und einer Kupferkugel als Symbol der Erde.
Zurück auf dem Schiff gibt es erstmal ein super leckeres „Rekesmørbrød med egg“ .
Kurzer Halt von 15 min in Øksfjord und wieder zur blauen Stunde gegen 16:30 Uhr wie am Vortag in Vardø.
Øksfjord ist ein kleiner, sehr abgelegener Ort in der Kommune Loppa. Er liegt eng zwischen steilen Bergen direkt am Wasser mit Blick auf die Fjordlandschaft Richtung Lopphavet. Die Kombination aus Dämmerung, Schnee und Fjordlicht ist typisch für Nordnorwegen im frühen März.
Mit dem Auto bräuchte man von hier keine 2 Stunden Fahrt in die Stadt Alta, das regionales Zentrum für Handel, Bildung und Kultur in der Finnmark.
Eine Winterfahrt mit Hurtigruten ist keine Kreuzfahrt.
Es ist ein arktisches Ritual, ein Übergang in eine Welt, in der Wetter, Licht und Meer das Sagen haben.
Um 00:10 Uhr, wieder bei dichtem Schneetreiben, läuft die MS Nordlys im Hafen von Tromsø ein. Wir sind zurück. Der Fußmarsch zum Hotel Clarion Aurora ist mit den Koffern durch den Schnee sehr beschwerlich und so fallen wir, ziemlich kaputt, um 1 Uhr nachts ins Bett.
Den Morgen des vorletzten Tages in Norwegen, nutzen wir für einige Souvenireinkäufe und den Besuch des Perspektivet Museums. Für den Nachmittag haben wir die Besichtigung der Eismeerkathedrale und die Fahrt hinauf zum Hausberg von Tromsø geplant.
Im Perspektivet Museum besuchen wir eine großartige Sonder-ausstellung der Fotografin und
Dokumentarfilmerin
Evgenia Arbugaeva.
Sie wurde in der Stadt Tiksi geboren, welche in der Republik Jakutien in Sibirien liegt. In ihrer persönlichen Arbeit blickt sie oft in ihre Heimat – die Arktis – und entdeckt und dokumentiert die abgelegenen Welten und Menschen, die sie bewohnen.
Evgenia Arbugaeva ist Storytelling Fellow der National Geographic Society und Empfängerin des ICP Infinity Award, Leica Oskar Barnack Award. Ihre Arbeiten wurden international ausgestellt und erschienen unter anderem in Publikationen wie National Geographic, Time und The New Yorker. Sie lebt in London.
Mit dem Linienbus (Haltestelle nur 50 m vom Hotel entfernt) fahren wir über die Brücke in den Stadtteil Tromsdalen zur Eismeerkathedrale, die richtigerweise offiziell Tromsdalen Kirke heißt. Sie ist das Wahrzeichen von Tromsø.
Das an einen Eisberg erinnernde Bauwerk erhält seine Form durch 11 aluminiumbeschichtete Betonplatten auf jeder Seite. Der Innenraum ist schlicht gehalten. Der Ostgiebel wird durch das monumentale Glas-Mosaik „Die Wiederkehr Christi“ von Victor Sparre (1972) dominiert.
Wir nehmen Platz und halten für einige Minuten inne.
Von der Eismeerkathedrale (die gar keine Kathedrale sondern eine normale Pfarrkirche ist) gehen wir zu Fuß rund einen Kilometer zur Talstation der Fjellheisen‑Seilbahn. Mit ihr fahren wir in 4 Minuten hinauf auf den Storsteinen mit seinem berühmten Ausblick über Tromsø, die Eismeerkathedrale und die umliegenden Fjorde.
Der letzte Höhepunkt unserer fantastischen Winterreise in den Norden Norwegens steht kurz bevor. Wir warten bei eisiger Kälte und Wind auf die blaue Stunde. Ständig ziehen wieder Schneeschauer über die Stadt und lassen leider den Blick etwas trüben. Doch wir machen das Beste daraus und fotografieren "was das Zeug hält."
Gegen 18 Uhr fahren wir ins Tal und "stapfeln" durch den Schnee zur Bushaltestelle unterhalb der Eismeerkathedrale. In der Hotelbar lassen wir den Tag gemütlich ausklingen und denken zurück an die letzten tollen Tage in Nord-Norwegen.
Ein ganz persönliches Fazit:
Anfang März, wenn Nord‑Norwegen noch tief im Winter liegt, aber die Tage schon spürbar länger werden, machten wir uns auf den Weg in den hohen Norden. Mit dem Mietwagen erkundeten wir die Inselwelt rund um Tromsø: vereiste Brücken, schneebedeckte Berge, kleine Fischerdörfer, in denen der Wind die Eiszapfen zum Klingen brachte.
Nach einigen Tagen wechselten wir das Tempo: An Bord des Hurtigruten‑Schiffs MS Nordlys glitten wir entlang der Küste nach Osten. Die Fjorde lagen still, manchmal wie aus Glas, manchmal aufgewühlt vom Wind. In den Häfen herrschte das ruhige Treiben des Nordens — ein paar Fischer, warmes Licht, das aus den Häusern drang unter dem Vollmond über der arktischen Winterlandschaft.
So wurde die Reise zu einer Mischung aus Bewegung und Einkehr: Straßen, die sich durch die Winterlandschaft zogen, und Seewege, die uns in die Stille führten. Eine Woche, die sich länger anfühlte, weil jeder Tag ein anderes Licht hatte.